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Navajo-Chiffre

 

Hintergrund

Bei den Navajo, auch Diné genannt, handelt es sich um eines der größten indianischen Völker der USA. Anfang 1942 begann Philip Johnston damit, ein neues Verschlüsselungssystem zu entwickeln. Er war in einem Navajo-Reservat aufgewachsen und erinnerte sich bei der Entwicklung der Chiffre zurück an seine Kindheit und die Navajo-Sprache, die er fließend beherrschte. Er wusste wie unverständlich die Navajo-Sprache für Außenstehende ist, denn sie ist mit keiner europäischen oder asiatischen Sprache verwandt und besteht aus vollkommen anderen grammatischen Gebilden. Dies brachte ihn auf die Idee, dass die Navajo-Sprache ein guter Code sein könnte und er unterbreitete den Vorschlag, Navajo-Stammesmitglieder als Funker einzusetzen. Es folgte eine Reihe von Tests, bei denen sich auch unter anderem die Frage stellte, ob nur der Navajo-Stamm oder doch ein anderer der Indianerstämme ebenfalls in Frage kommen könnte. Da aber der Navajo-Stamm der einzige war, der ausreichend viele des Lesens und Schreibens mächtige Angehörige aufwies und außerdem noch nicht von deutschen Forschern untersucht worden war, kam nur dieser in Frage.

Um die Stärke des Verfahrens zu prüfen, wurde eine Aufzeichnung einer Navajo-Übertragung an die Marineaufklärung übergeben, die zuvor „Purple“, die beste japanische Chiffre geknackt hatte. Bei dem Navajo-Code gaben sie sich allerdings geschlagen.

Der weitere Einsatz des Navajo-Codes im fortlaufenden Krieg galt als voller Erfolg. In einer Schlacht wurden die Marines von ihren eigenen Leuten angegriffen. Englische Funksprüche stoppten den Angriff nicht, denn es wurde von einer List der Japaner ausgegangen. Erst als der Funkspruch auf Navajo gesendet wurde, stoppte der Angriff. Ein Funkspruch auf Navajo galt als fälschungssicher.

Insgesamt wurden 420 Najavo-Codesprecher ausgebildet. Ihre Dienste wurden erst im Jahr 1986 öffentlich gewürdigt, da bis zu diesem Zeitpunkt eine strenge Geheimhaltung galt.1

 

Funktionsweise

Vier Monate nach dem Angriff auf Pearl Harbor, traten 29 Navajos zu einem Fernmeldekurs beim Marinecorps an. Es musste das Problem gelöst werden, dass moderne, technische Wörter im Wortschatz der Navajos fehlten. Dazu wurde ein Lexikon mit Navajo-Wörtern erarbeitet, um auch diesen Begriffen eine Bedeutung zu geben. Flugzeuge bekamen zum Beispiel Vogelnamen und Schiffe wurden mit Namen von Fischen benannt.

Deutsch Alias-Name Navajo
Jagdflugzeug Kolibri Da-he-tih-hi
Torpedoflugzeug Schwalbe Tas-chizzie
Schlachtschiff Wal Lo-tso
U-Boot Eiserner Fisch Besh-lo

Tab. 1: Auszug aus Navajo-Lexikon2

Dieses Lexikon deckte zu Anfang 274 Wörter ab, die von den Navajo-Offizieren auswendig gelernt werden mussten, da vermieden werden sollte, dass ein Codebuch in die Hände des Feindes fällt. Trotzdem konnten Namen, Orte oder sonstige im Lexikon nicht enthaltene Begriffe noch nicht übersetzt werden. Diese wurden ebenfalls nach einer Übersetzungstabelle buchstabiert.
navajo

Abb. 1: Navajo-Alphabetcode3

Später wurde das Wörterbuch noch einmal um 234 gängige Ausdrücke erweitert, um Häufigkeitsanalysen durch häufiges Buchstabieren von Worten zu vermeiden. Dabei wurden außerdem, ähnlich wie bei der homophonen Chiffre, Alias-Begriffe für häufig verwendete Buchstaben wie das „E“ eingeführt.1

 

Sicherheit

Der Navajo-Code ist eine der wenigen Chiffren, die zum Zeitpunkt ihres Einsatzes nie geknackt werden konnten. Trotzdem hängt die Sicherheit dieses Codes nur von der Geheimhaltung der Sprache ab, denn es wird kein veränderbarer Schlüssel verwendet. Hätten die Japaner einen Navajo gefangen nehmen können, so wäre der Code sofort nutzlos gewesen.

 

Weblinks

http://de.wikipedia.org/wiki/Navajo-Code

 

Einzelnachweise

1 Singh, Simon: „Geheime Botschaften“, Carl Hanser Verlag, 1999, S. 237ff
2 Singh, Simon: „Geheime Botschaften“, Carl Hanser Verlag, 1999, S. 240
3 Singh, Simon: „Geheime Botschaften“, Carl Hanser Verlag, 1999, S. 241

   
     
 
 
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